Dieter Köhnlein und Uwe Kropinski verbindet eine lange Musiker- Freundschaft: Die beiden lernten sich 1987 kennen und haben seitdem nicht nur mehrere CDs zusammen aufgenommen, sondern auch etliche Konzerte gegeben. Nun haben sie sich nach langen Jahren wieder ins Studio begeben und herausgekommen ist ihr neues Werk „Scratching the Silence, auf dem fünf Kompositionen von Kropinski und sieben von Köhnlein zu hören sind. Ganz unüblich für Jazz-CDs, ist das erste Stück wahrlich ein Ohrwurm, der mit seiner lässig-beschwingten Art vollkommen überzeugt. Die weiteren 12 Stücke changieren in kraftvoll-treibendem Up-Tempo, melancholischer Träumerei und überraschen mit ungeahnten Wendungen. Die Abstimmung der beiden Künstler aufeinander ist perfekt: sie beweisen, wie gut Piano und Gitarre sich gegenseitig ergänzen können. Ein dynamisches Album, dessen leise Töne die Seele berühren und dessen Tiefgründigkeit das Herz erfreut. 



 

Scratching The Silence

Uwe Kropinski, Dieter Köhnlein

 

Housemaster Records/www.kropinski.com HOFA 274316

(56 Min., 4/2015)

 

 

Sie kleistern die Stille nicht zu. Der Titel der CD benennt, worum es geht: Sie kratzen nur daran, indem sie einzelne Töne setzen, wohldosiert, wohlabgestimmt, wohltönend, pur und frei von Elektronik. Uwe Kropinski, Meister der akustischen Gitarre, und Dieter Köhnlein, seit 28 Jahren sein idealer Klavierpartner, spielen Eigenes, fünf Kompositionen von Kropinski und sieben von Köhnlein. Hinzukommt das Spiritual „O When The Saints Go Marching In“, in dem Köhnlein eine düstere Grundstimmung schafft, in die Kropinski die einzelnen Töne fügt, die durch Dehnen der Saiten eher traurig und weinerlich klingen und zudem nur vage an das Thema erinnern: Das glatte Gegenteil der in den meisten Interpretationen freudestrahlenden Hymne. „Na und?“ fragt das nächste Stück, dessen Thema und Struktur Kropinski an Miles Davis‘ „So What“ angelehnt hat und zu dem er doch so viel Distanz hält, dass keine Coverversion herausgekommen ist. Hier wird sein als Zwischenspiel eingefügtes unbegleitetes Gitarrensolo zum Glanzstück für Kropinskis einwillige Klangwelt, die Percussion auf dem Gitarrenkörper, Flageoletts, das Dehnen und Zerren der Saiten und Fingertapping werden ins herkömmliche Spiel integriert. Köhnleins vollmundige Melodien und Harmonien schaffen zu Kropinskis sparsamem Herangehen einen angenehmen Kontrast. Dabei tritt keiner dauerhaft in den Vordergrund; stattdessen skizzieren sie oft Gedanken, die sie zusammenführen, ineinander verschränken, übernehmen, austauschen. Bei aller Intensität bleibt für den Hörer so viel Raum, dass er einzelnen Figuren nachlauschen und das Durchbrechen der Stille genießen kann. Ein netter Gag ist das Ende der letzten Nummer „Alles schläft“, indem Kropinski zur Melodie von „Stille Nacht“ überleitet, Köhnlein diese aufgreift und beide sie leise verebben lassen.

Werner Stiefele 02.01.2016

 

Rondo

 

Das Klassik und Jazz Magazin


Vom Kratzen an der Stille: Uwe Kropinski und Dieter Köhnlein mit neuer CD
JazzZeitung 17. Januar 2016
 
Kropinski / Köhnlein: Scratching The Silenc (HOFA Cd 274316)
Sein Kollege Helmut Joe Sachse hat dereinst, vor mehr als dreißig Jahren, dem „Wohltemperierten Schraubenzieher (Oder Joe´s Mechanikverständnis)“ solistisch ein Denkmal gesetzt. Uwe Kropinskis gitarristisch-musikalischer Humor ist zurückhaltender, feiner, weniger resolut. Zusammen mit seinem fränkischen Partner Dieter Köhnlein am Klavier macht der Kölner aus Ostberlin der Stille Platz. Damit die zur Geltung kommt, kratzt, schrappt und zupft er mal mit delikatem Humor, tiefem Ernst und mal mit hemmungsloser Improvisationslust an ihr, der Stille, herum. Durch rund ein Dutzend Stücke gelingt es den beiden, sie mit spielerischer Lust zu vertreiben und ihr gleichzeitig Präsenz zu geben. Fünf der Stücke gehen auf Kropinskis Konto, wie die titelgebende minimalistische Humoreske. Diese lyrische Träumerei über einen simplen Loop oder ein getaktetes schripp-schrapp auf einer E-Gitarre, die nicht angestöpselt ist, markiert eine Seite dieser facetten- und stimmungsreichen Aufnahme. Und es lässt bereits viel von der engen Verbindung dieser zwei Musiker aufscheinen. Kropinski und Köhnlein kennen sich seit fast drei Jahrzehnten und bringen seither in größeren Abständen Studioalben heraus. Dazwischen gehen sie zusammen auf Tour und spielen, immer wieder mit Pausen dazwischen, live in Clubs und Konzertsälen. Neben der ruhigen, man kann auch sagen intimen Seite des Duos machen sich die zwei in zupackenden Stücken richtig Luft, ohne dabei jemals in hemmungslosen Ausschweifungen zu enden. Noch der knackigste Groove, die enthemmteste Improvisation wirken in ihrer eruptiven Energie in einer leidenschaftlichen Reflexion geläutert und um mindestens zwei Ecken gedacht, wie bei den „Urban Friends“ und dem locker swingenden „Auf Die Schnelle“, das immer wieder von Sprints durchbrochen ist.
In etlichen Stücken sind klassische Themen von Bach oder Kinderliedern und jazzgeschichtliche Bezüge verarbeitet. So erinnert „Na Und“ auch musikalisch an Miles Davis 1959er „So What“, dem ebenfalls ein Fragezeichen fehlt, mit einem der wunderbaren perkussiven Strudel Kropinskis auf dem Korpus seines Instrumentes. „Oh When The Thoughts“ wiederum schlägt mit zahnwehfördernden Akkorden den Bogen zum Traditional „When The Saints…“. Alles in allem ist „Scratching The Silence“, wie das Vorgängeralbum, eine musikalische Perle, ein kleines großes Meisterwerk, gerade auch in der minimalistischen Besetzung ein absoluter Hochgenuss – verspielt und ernsthaft, leichtfüßig und tiefgründig, voller Ideen und spielerisch hervorragend.. Die beiden Musiker klingen perfekt zueinander und zeigen zum wiederholten Mal auf, wie gut Piano und Gitarre zusammen funktionieren. Ein dynamisches Album, dessen leise Töne die Seele berühren und dessen Tiefgründigkeit das Herz erfreut.
Michael Scheiner
Infos / Bestellungen: www.dieter-koehnlein.de und www.kropinski.com außerdem bei den bekannten Plattformen und in einschlägigen Fachgeschäften